Foto Flugwettbewerb

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Berblinger im Bild der Öffentlichkeit

Gehörte Berblinger als gescheiterte Existenz einerseits in den Kreis all jener, die den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts zum Opfer fielen, war er andererseits Teil jener bürgerlichen Welt, die über gelehrte Journale wissenschaftlich orientiert war sowie fortschrittlich dachte und handelte. In der öffentlichen Wahrnehmung erschien Berblinger, unter Ausblendung seiner technischen Leistung und  persönlichen Tragik, als komischer Vogel. In einer Mischung  aus heimlicher Bewunderung und Schadenfreude, wurde er noch zu Lebzeiten als „Schneider von Ulm“ Gegenstand von Spottgedichten und wurde später als Karikatur auf Postkarten vermarktet, um damit den Bekanntheitsgrad der Stadt zu steigern.

Auch in die Welt höherer Unterhaltung hielt er Einzug. So wurde 1866, quasi als Höhepunkt dieser ersten Phase öffentlicher Rezeption, die von Gustav Pressel komponierte Oper „Der Schneider von Ulm oder Der König der Lüfte“ mit großem Erfolg in Ulm und Stuttgart aufgeführt.

Eine Trendwende in der Einschätzung Berblingers leitete dann der 1906 erschienene bürgerliche Entwicklungsroman „Der Schneider von Ulm“ ein. Der Dichteringenieur Max Eyth, selbst ein Wanderer zwischen zwei Welten, der seinen Lebensabend in Ulm verbrachte, schrieb die Geschichte des technisch begabten „Brechtle“ als die „eines zwei Jahrhunderte zu früh Geborenen“.

1938 wurde dann, unter Vorsitz des Ulmer Kulturreferenten Carl Kraus, eine Berblinger Arbeitsgemeinschaft gebildet. Deren Mitglieder, Eugen Kurz und Otto Schwarz, begründeten dann, historisch und flugtechnisch, die quellenkritische, seriöse Berblingerforschung. Nun fand Berblinger als Pionier des Gleitflugs weithin die ihm gebührende Beachtung und Anerkennung.

Ein besonderes Spektakel war jedoch der Flugwettbewerb mit Nachbauten von Berblingers Flugapparat. Das Fluggerät SchneidAir-Ulm des Münchener Günter Rochelt gewann diesen Wettbewerb. Dem 19-jährigen Sohn Rochelts, Holger Rochelt, gelang es an historischer Stätte als Einzigem, die Donau zu überqueren. Er kugelte sich zwar bei der etwas unsanften Landung am jenseitigen Donauufer einen Arm aus, hatte jedoch den Fallwinden, die Berblinger zum Verhängnis geworden waren, erfolgreich getrotzt.

Ausschnitt aus dem Super 8 Film:
„Der Schneider fliege hoch …“ von Gerhard Konold.
Bereitstellung und Bearbeitung: protel Ulm-Film-Archiv

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