Technische Zeichnung Protese

Technische Zeichnung Protese

Technische Zeichnung Fluggerät

Nachbau des Fluggeräts im Ulmer Rathaus

Der vielseitige Handwerksmeister

Mit dem Schneiderhandwerk war der umtriebige Meister jedoch weder ausgelastet noch zufrieden. Er, der nach eigenen Worten „von früher Jugend an eine besondere Neigung zur Mechanik“ hatte, fertigte von 1803 bis 1807 „Kinderchaisen“ und andere Vehikel. Im Jahre 1808 begann er mit der Herstellung von Beinprothesen, die in Form und Funktion überzeugten. Nachdem ein Antrag auf Unterstützung dieses Produktionszweigs vom  bayerischen König abgelehnt wurde, verfolgte er dieses Projekt nicht weiter und strebte anschließend buchstäblich nach Höherem.

Der Traum vom Fliegen

Als Vorbild schwebte ihm der Schweizer Uhrmacher Jakob Degen vor, der 1808 in Wien, aber auch in anderen Städten seine Flugkünste vorführte. Degen hatte einen Flugapparat konstruiert, dessen kreisförmige, spitz auslaufende Schwingen mit einem Hebelmechanismus bewegt werden konnten. Die Flächen waren mit 3.500 Kläppchen versehen, die sich entsprechend der Auf- oder Abwärtsbewegung öffneten oder schlossen. Da Degen klar war, dass der Apparat nicht mit Muskelkraft in die Höhe zu bekommen war, hatte er ihn mit einem Ballon kombiniert. Seit die Brüder Montgolfier 1783 mit einem Ballon aufgestiegen waren, war Ballonfahren als ganz besondere Attraktion en vogue.

Das Prinzip Berblinger

Berblinger wählte einen anderen Ansatz als Degen: Er wollte nicht vom Boden aufsteigen, sondern von der Höhe herabgleiten. Zu diesem Zweck baute er aus Seide, Schnüren und Fischbein einen Flugapparat mit zwölf Quadratmetern Tragfläche, der zwar dem seinerzeit unübertroffenen Modell Degen nachgebildet war, sich in konstruktiven Details jedoch davon unterschied. Sein Fluggerät hatte keine Kläppchen und auch keinen Hebelmechanismus. Nach allem was uns heute bekannt ist, waren die beiden Schwingen im Rücken des Trägers mit einem Streckgelenk verbunden, das festen Halt bot, aber zur Steuerung kleine Ausschläge zuließ. Mit der Konstruktion dieses halbstarren Hängegleiters gab Berblinger die Idee des Schwingenflugs auf und wandte sich dem entwicklungsfähigen Gleitflug zu.

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