Stadtansicht Ulm, alter Stich

Illustration des Flugversuchs

Das Publikum staunt. Erste Flugversuche

Am 24. April 1811 machte Berblinger in einer Anzeige im Schwäbischen Merkur die Öffenlichkeit mit seinem Flugapparat bekannt. Zuvor hatte er am Michelsberg, wo günstige Aufwinde herrschten, Flugversuche unternommen. „Wie ein Vogel“ sei er, so ein Augenzeuge „von Gartenhaus zu Gartenhaus gehüpft“. Was sicher lustig aussah, brachte Berblinger die Erkenntnis, dass die Absprunghöhe und die erzielte Weite ein Gleitverhälnis von 1:2 ergaben.

Am 27. Mai 1811 kündigte er den Erstflug „bei günstiger Witterung“ auf den 4. Juni 1811 an. Da seinerzeit der Besuch des württembergischen Königs in seiner neu erworbenen Stadt bevorstand, gedachte das eigens gebildete Festkomitee, ihn mit einem besonderen Spektakel zu erfreuen. So wurde mit Berblinger der 30. Mai 1811 als Flugtermin vereinbart. Ort des Geschehens war die 13 Meter über der Donau gelegene Adlerbastei, auf der Berblinger ein sieben Meter hohes Holzgerüst errichten ließ, von wo aus er die 40 Meter breite Donau überqueren wollte. Die über fließenden Gewässern herrschenden Abwinde, die schließlich zu den fatalen Folgen führten, waren ihm nicht bekannt.

Am 30. Mai 1811 erschien König Friedrich mit großem Gefolge und Tausende von Zuschauern warteten gespannt auf das Schauspiel. Doch da ein Flügel brach, konnte der Flug nicht stattfinden. Der König reiste ab, nicht ohne Berblinger eine Gratifikation zu gewähren und der Stadt 2.000 Gulden für die Anlage der Friedrichsau zukommen zu lassen. Schon einen Tag später fand dann der zweite Versuch statt. Berblinger stand blass auf dem Gerüst, tänzelte, wahrscheinlich um den erhofften Aufwind zu spüren, nervös hin und her, und als er schließlich sprang, landete er zum Gaudium der Zuschauer in der Donau.

Die Folgen

Von Hohn und Spott begleitet, verschwand Berblinger spurlos aus der Stadt. Erst 1812 hören wir wieder von ihm, als er versuchte, zunächst als Regimentsschneider beruflich wieder Fuß zu fassen. Dies gelang trotz aller Bemühungen nicht und so folgte der wirtschaftliche und persönliche Niedergang. Im Jahr 1819 wurde er als sozusagen „civiliter mortuus“ bezeichnet und fiel der städtischen Armenfürsorge anheim. Am 28. Januar 1829 starb Albrecht Ludwig Berblinger völlig verarmt an „Abzehrung“ und wurde sang- und klanglos in einem Armengrab beerdigt.

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