Navigation und Service

Springe direkt zu:

Der Berblinger Turm an der Adlerbastei

vom Künstlerduo Brunner und Ritz

© Metin Sik, Detlev Saage

Wie es wohl gewesen sein muss, auf einem 20 Meter hohen Podest auf der Stadtmauer zu stehen, während alle Schaulustigen darauf warteten, dass man springt und wie ein Vogel über die Donau fliegt? Spüren Sie's nach und versetzen Sie sich in Berblinger hinein. An der einstigen Absprungstelle an der Adlerbastei ist ab dem 15. Mai der um 10 Grad geneigte „Berblinger Turm“ begehbar. Schwindelerregend schraubt sich die Wendeltreppe Stufe für Stufe in die Höhe. Oben angelangt, mit Blick zum Boden, erkennt man, dass die Treppenstufen in Konstruktion und Farbgebung in Anlehnung an Berblingers Flugapparat gestaltet sind. Sechs an der Skulptur angebrachte Lautsprecher lassen die Besteigung zum Hörerlebnis werden.

BRUNNER / RITZ realisieren Klang- und Lichtinstallationen an verschiedenen Orten in Deutschland und im Ausland. Das Duo, bestehend aus Johannes Brunner und Raimund Ritz, wurde bereits mit zahlreichen Preisen und Stipendien für ihre Kompositionen ausgezeichnet.

ÖPNV: Haltestelle „Haus der Begegnung“, Buslinie 6

Berblinger Turm Baustelle

© Stadtarchiv Ulm

Das Fundament des Berblingerturms besteht aus 28 m³ Beton sogenannter hoher Güte. Zusätzlich wurden 4,5 Tonnen Baustahl verarbeitet. Mehrere fast vier Meter lange Stahlanker sind drei Meter tief vertikal verankert und verbinden das Fundament mit der Mauer.
Zur Befestigung des Turmes auf dem Fundament wurden zwölf sogenannte Spannanker eingesetzt, die über einen Meter tief im Fundament einbetoniert sind und beim Aufbau mit jeweils 650 Kilonewton vorgespannt wurden – eine Methode, die zum Beispiel im Brückenbau oft angewendet wird.
Zur Untersuchung auf Festigkeit der Mauer und des Untergrundes an der Adlerbastei wurden sechs horizontale Bohrungen bis fast sechs Meter Tiefe im Sockelbereich durchgeführt. Die Bohrkerne wurden bautechnisch analysiert.
Mit Hilfe einer radiologischen Untersuchung wurde die Festigkeit des Untergrundes ander Adlerbastei analysiert. Insgesamt gibt es 145 DIN-A4-Seiten an statischen Berechnungen.

Aufbau Berblinger Turm

© Saage

Der Berblingerturm ist eine um 10º geneigte Spindeltreppe. Die Außenkontur der Treppenstufen ist der Form des Flugapparates des Schneiders von Ulm nachempfunden.
Konstruktionsbedingt ergibt sich am Berblingerturm die Besonderheit, dass es keine zwei identisch geformten Treppenstufen gibt. Auch die Biegung des 50 Meter langen Geländers ist so geformt, dass im Prinzip kein Meter dem anderen gleicht.
Die Höhe des Berblingerturms beträgt vom Boden bis zur Spitze 20 Meter. Die Plattform des Berblingerturms befindet sich in 14 Metern Höhe.
Die Anzahl der Stufen des Berblingerturms bis zur Plattform beträgt 71. Insgesamt gibt es am Berblingerturm 94 Stufen, 23 davon befinden sich in chaotischer Form oberhalb der Plattform, die wiederum ihrerseits aus 13 Stufen gebildet wird. Die Spindelsäule des Berblingerturms hat einen Durchmesser von 50 Zentimetern und ein Gewicht von 5,7 Tonnen. Ihre Wandstärke beträgt 25 Millimeter.
Das Material des Berblingerturms besteht aus feuerverzinktem Stahl, teilweise pulverbeschichtet. Insgesamt wurden für den Berblingerturm 19,3 Tonnen Stahl verbaut. Um die durch Wind und Besucher auftretenden horizontalen Schwingungen des Berblingerturmes zu reduzieren, wurde in der Spitze ein Schwingungstilger eingebaut. Hierbei handelt es sich um eine 400 Kilogramm schwere Stahlmasse, die bei einsetzenden Turmschwingungen mit einer Gegenschwingung reagiert und so den Turm stabilisiert. Das System reduziert Ermüdungslasten auf das Fundament.
Die Beleuchtung des Berblingerturms besteht aus 250 laufenden Metern LED-Streifen, die mit insgesamt fünf Kilometern Kabel an Transformatoren und das Stromnetz angeschlossen sind.
Über sechs am Berblingerturm befestigte Lautsprecher wird ein Hörspiel abgespielt. Thematisiert werden die Zeit, in der Berblinger wirkte, und der Moment des Flugversuchs. Historische und moderne Texte, Zeitungsausschnitte, Poesie, fiktive Texte und Interviewaufnahmen werden von Schauspielern, Ulmer Bürgerinnen und Bürgern sowie einer Schulklasse der Berblinger Grundschule Ulm wiedergegeben.

How must it have felt to stand atop a twenty-meter high pedestal on the city wall with a crowd of onlookers waiting for you to take a leap and fly across the Danube like a bird?
Climb the new leaning Berblinger Tower and put yourself in Berblinger’s shoes. Discover the new work of art located at Berblinger’s former point of take-off, the “Adlerbastei”.